ACHTUNG: Die Tagebucheinträge lesen sich von unten nach oben (weil damals der aktuellste immer oben stehen sollte).


Anfang 23.10.16: Imperia, Sanremo, Ventimiglia

Kann gut sein, dass das hier der letze WIFI-Spot vor der französischen Grenze ist, daher dachte ich mir, ich nutze ihn.

Imperia zu besuchen war ein klein bisschen wie nach Hause zu kommen (Vielleicht aber auch nur, weil ich mein Zuhause in Bayern ähnlich selten sehe o.O'). Jedenfalls kannte ich mich noch ganz gut aus und lief die Orte ab, an denen wir damals regelmäßig waren. Die Salita Monti, Mama! Sie ist sogar noch steiler, als ich sie in Erinnerung hatte! Ich habe gar nicht erst versucht, mit Bibs hoch zu fahren (Hätte sie nicht geschafft). Und Feigen! Ein paar letzte nur für mich, an dem Baum gegenüber des Hauses! Ich war in der Kirche, in der wir den Gottesdienst besucht, vor der Markthalle, wo wir den großen Fisch gekauft hatten... Die Halle war zu und Messe war auch nicht, aber es roch noch nach Weihrauch, der mich zu der Bäckerei begleitete, in der ich damals schon immer nach
Focaccia geschaut hatte. Als tourismusuntypische Stadt waren in Imperia fast alle Läden geschlossen, sehr viel mehr zu sehen gab es also nicht. Es regnete schon den gesamten Tag, aber zurück am Strand bin ich trotzdem noch einmal ins Meer gesprungen. Praktischerweise gab es dort auch eine öffentliche Dusche. Das Meerwasser war richtig warm und so klar, dass ich extra zu Bibs zurückgelaufen bin, um meine Taucherbrille zu holen (die übrigens hervorragend ist! Danke, Jessica! ^^). Es war wunderbar, in der einsamen See herumzutauchen, Quallen auszuweichen und Seeigeln nachzuspüren! Wer weiß, vielleicht ist es meine letzte Gelegenheit! Danach war ich aber dann doch froh über meinen Mini-Fön für den Zigarettenanzünder, denn der Wind hatte weiter aufgefrischt.

Dick eingemummelt ging es weiter entlang der Küste. In Sanremo wollte ich eigentlich Pause machen, aber ich bin - ohne es wirklich zu merken - durchgefahren. Ups! Heute Morgen ist mir übrigens auch aufgefallen, dass ich so auf Florenz und Pisa konzentriert war, dass ich ganz vergessen habe, beim Piaggio-Werk (Bibs' Geburtsort) vorbeizuschauen! Tja, muss ich wohl noch mal wiederkommen. :-)

 

So rückt Frankreich näher und ich weiß nicht, ob ich wirklich glücklich darüber bin. Ich habe nicht das Gefühl, mein sporadisches Italienisch schon genug beansprucht zu haben... oder schon genug Focaccia gegessen zu haben... und am Meer kann ich mich sowieso nicht satt sehen. Zum Glück begleitet mich das noch ein Stückchen!


2.000 Kilometer gefahren


22.10.16: Auf dem Weg in der Vergangenheit nach Imperia

Nachdem ich außerhalb des Städtekonglomerats um Genua mal wieder direkt am Meer übernachtet habe (allerdings war es mir zu steil und felsig zum Reinhüpfen), war der Plan eigentlich, gegen Nachmittag in Imperia-Oneglia zu sein. Hätte klappen können, tat es aber nicht. Ich machte nämlich an jedem dritten Ort Halt, den ich von dem Urlaub wiedererkannte, den ich mit meiner Mutter hier verbracht habe, und wandelte ein wenig auf unseren Spuren von damals. Irgendwie war es surreal und schön zugleich. Ich spazierte durch die selbe Einkaufspassage in Alassio, saß zum Abendgeläut auf der Mole in Laigueglia, wo wir Take-away-Pizza gegessen haben und war sogar im selben Ipercoop einkaufen, vor dem wir uns damals zweimal verfahren haben. Hab ich schon mal erwähnt, wie viel Zeit ich in italienischen Supermärkten mit Suchen verbringe??? Die Produkte sind nach keinem sichtbar
sinnvollen System verteilt! Dort brauchte ich also eine Weile, ansonsten blieb ich aber nirgends lange. Ich will an diesen Orten keine neuen Erinnerungen aufbauen, ich habe hier schon welche und die gehören uns.

In Imperia kam ich an, als die Sonne gerade in flammenden Wolken hinter den Bergen unterging. (Ja, mittlerweile bin ich so weit an der Küste westwärts, dass ich keine Sonnenuntergänge mehr über dem Meer habe, dafür aber Sonnenaufgänge!) Ich wusste bereits, wo ich übernachten will, und zwar an genau dem Uferabschnitt, an dem meine Mutter und ich damals Schwimmen gegangen sind. Während ich diesen Text schreibe, sitze ich auf dem Stein, auf dem du, Mama, gesessen und gelesen hast, während die Wellen knapp unter deinen Füßen an die Steine rollten. Surreal, aber schön. So schön...


21.10.16: Genua, città del mio cuore

Habe ich viel von der Stadt gesehen? In gewisser Weise schon, aber eher beiläufig.
Wir haben bis spät in die Nacht Musik gemacht, mit drei Gitarren, einer Ukulele, Gesang von hoch bis tief und und allem, was sich für Percussion anbot, in der universellen Sprache aus Red Hot Chili Peppers- und Coldplay-Songs. Einfach herrlich! Frühstück gab es eigentlich auch für Spätaufsteher, aber ich war relativ früh wach und kümmerte mich darum, den abgebrochenen Henkel an den Trolli eines Mädchens aus meinem Zimmer zu schrauben, weil er sonst furchtbar unbequem zu ziehen ist. So hatte mein Werkzeugkoffer auch mal seinen Nutzen. Ich hoffe, die Konstruktion hält!
Da ich sonst keine weiteren Pläne für den Tag hatte, tat ich mich mit einem Ex-Koch aus den USA zusammen, dem es ebenso ging. Wie sich herausstellte, die beste Idee, die ich haben konnte! Wir streunten den gesamten Tag kreuz und quer durch Genua, am Hafenbecken entlang, durch die Altstadt, Gassen rauf und runter, ohne wirklich darauf zu achten, wohin wir gingen. So entdeckten wir versteckte Kirchen, Festungsanlagen und Parks, fingen einen Hund ein und kauften mir eine neue SD-Karte und einen neuen Kartenleser. Vor allem aber unterhielten wir uns die gesamte Zeit über Gott und die Welt und fanden tausend Dinge, die wir gemeinsam haben, Dinge wie die Liebe zu Hayao Miyazaki-Filmen, Dumplings und zum Reisen!

 

Thank you, Eric! I had a great time and I'm so glad I met you! You're amazing and gave me something to look forward to! I'll meet you at the end of the world!
Don't forget to be awesome until than!

 

Habe ich viel von der Stadt gesehen? Keine Ahnung, ist auch egal, ich habe Genua schon einmal mit meiner Mutter besucht. Hatte ich einen großartigen Tag? Definitiv!!!

Da ich einfach die Zeit genossen habe, wie sie kam, habe ich kein einziges Foto gemacht, sorry. Hier daher lediglich ein Eindruck aus der Ape, auf dem Weg aus der Stadt hinaus:


20.10.16: zwischen La Spezia und Genua

Wenn es heute Vormittag nicht geregnet hätte:

  • hätte ich zich der unzähligen Maroni gesammelt, die am Straßenrand lagen
  • wäre ich wahrscheinlich schneller vorangekommen
  • hätte ich aber auch mehr Stops eingelegt
  • hätte ich nicht so laut mitgesungen Ventura Highway in the suuuunshiiine...
  • wäre die Aussicht schöner gewesen
  • hätte ich mich trotzdem genauso über den Anblick des Meeres gefreut

Das Wetter hier ist schon seltsam. Es schüttet in Strömen, aber nie wirklich lange und schon kommt die Sonne wieder raus. Wir haben fast Ende Oktober und es herrschen nachmittags immer noch T-Shirt-und-Sandalen-Temperaturen (Danke, liebe Klimaerwärmung). Die habe ich genossen, als ich in Rapallo Pause gemacht und mir den Hafen und die Stadt angesehen habe (siehe Bild oben).

Mittlerweile bin ich in einem Hostel in Genua, dem mit Abstand coolsten Hostel, in dem ich bislang untergekommen bin! Eine umfunktionierte riesige Wohnung in einem Haus von Anfang des 19. Jahrhunderts, enorm stilvoll und mit vielen super freundlichen und aufgeschlossenen Leuten, die gerade miteinander im Wohnzimmer Musik machen... Da werde ich mich jetzt auch mal dazugesellen :-).

 

PS. Falls ihr euch übrigens fragt, wo die schönen Bilder vom Höhenwanderweg in den Cinque Terre sind: Mein Computer hat sie gefressen (der Arsch). Nebenbei hat er auch gleich noch meine neue SD-Karte geschrottet. Langsam glaube ich, meine Elektronik verursacht all den Ärger, den sich Bibs an Pannen spart. Soll sie mal. Gestern Abend habe ich es allerdings geschafft, Bibs' Anlasserknopf abzuschlagen. Ja, fragt mich nicht, ich kann das... Aber ich habe es auch hinbekommen, ihn wieder anzumontieren! Da war ich schon ein bisschen stolz auf mich! Hab den Schaden zwar selbst verursacht und der Knopf geht jetzt auch nicht mehr automatisch zurück, wenn man ihn drückt, aber egal. Hab's gerichtet.


19.10.16: Cinque Terre

(Da muss gestern ein Clown in meinem Müsli gewesen sein. Mal sehen, ob ich heute einen lesbaren Text zustande bringe.)

Heute Nacht hat es wieder ein wenig geregnet, aber das Silikon hält bislang, was es verspricht und wie auch die letzten Male hörte der Regen auf, noch bevor ich mich aus dem Schlafsack gepellt hatte. Während meines morgendlichen Bads im Meer, ging gerade die Sonne über den Bergen auf. Kein Wunder, dass die Region zwischen Pisa und Massa beliebt ist: Lange flache Strände und direkt dahinter die Apenninen - ein wunderschöner Anblick! Im Moment ist die Gegend allerdings, wie auch die anderen vergleichbaren, eine vom Tourismus verlassene  Restaurantwüste.
In La Spezia ging ich ein wenig am Hafen spazieren - die Harmony of the Seas lag dort gerade am Kai, das größte Kreuzfahrtschiff, das jemals gebaut wurde, sogar geringfügig größer, als ihre beiden Schwesternschiffe, nämlich 362 m lang und 100.000 Tonnen schwer! Anschließend fuhr ich zum Bahnhof, denn der beste, da günstigste, schnellste und einfachste Weg, die abgelegenen Dörfer der Cinque Terre zu besuchen, ist per Regionalbahn. Die Cinque Terre sind fünf Orte direkt am Meer, umgeben von Steilhängen und - war irgendwie klar - UNESCO-Weltkulturerbe.

Frei nach "hop on / hop off" dank Tageskarte besichtigte ich das erste und das zweite Dorf. Vom zweiten ins dritte wanderte ich den Höhenweg durch steinige Weinberge, Olivenhaine und Wald. Das hätte ich auch gemacht, wenn ich gewusst hätte, wie anstrengend es werden würde. Und auch, wenn ich gewusst hätte, dass es zwischendrin nieseln würde. Vielleicht hätte ich es mir noch einmal überlegt, wenn ich gewusst hätte, dass meine Hose dabei drauf geht: Ich rutschte nämlich gegen Ende der Tour auf den glitschigen Steinen aus und landete Gesicht voraus im Matsch. Gott sei Dank habe ich mich nicht verletzt! Das war ziemlich einsam da oben... Dafür ich habe bei der Aktion wilde Maroni gefunden! Naja, und die Hose riss ich mir passgenau in zwei Hälften. Aber Katja ist toll, Katja ist schlau, Katja hat Ersatz-Shorts dabei! So musste ich der Gesellschaft nicht meine Unterhose präsentieren, sondern konnte, nachdem ich die anderen beiden Orte wieder per Bahn angesteuert hatte (muss man ja auch nutzen, so ein Tagesticket...), noch mal ins erste zurückkehren und stilvoll essen gehen. Das hatte auch einen tieferen Sinn: Die steilen Hänge über den Dörfern werden teilweise nur von den 1000-jährigen Trockenmauern gehalten, die für den Weinbau in der Region angelegt wurden. Mit einem Glas Cinque Terre-Wein leistete ich meinen Beitrag zur Erhaltung der Ortschaften. Ihr braucht mir nicht zu danken, hab ich gern getan.


18.10.16: Pisa

 

Da ging sie mal wieder unter, die Welt. Als hätte ich es gewusst, habe ich gestern Abend noch in  einer Taschenlampenaktion mehrere Stellen an Bibs' Kasten (und meine Hände) mit Silikon verschmiert/verklebt - und prompt regnete es nachts in Strömen! Aber siehe an: Die Ecke blieb trocken!!! In der Tupperware, die ich untergestellt habe, war zwar trotzdem etwas Wasser, von dem ich beim besten Willen nicht weiß, woher es kam, aber vielleicht ist Bibs ja ein Schiff. Das braucht ein bisschen Wasser in der Bilge.

Pisa erkundete ich von Süden nach Norden. Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten Pisas sammeln sich alle im Norden auf der Piazza dei Miracoli (wie das Wunder, nicht wie die Soße). Der schiefe Turm von Pisa (Torre pendente) ist deutlich schiefer, als ich ihn mir vorgestellt habe, aber auch kleiner. Die Non-profit-Organisation (eigene Aussage!), die sich um die Monumente kümmert, verlangt geschlagene 18 € für einen Aufstieg auf den Turm, der alle halbe Stunde angetreten werden kann und dann auch nur genau 30 Minuten dauern darf. Ihr bemerkt meine Abneigung... Stattdessen bin ich für 8 € in den Camposanto Monumentale, das Baptisterium, die Kathedrale und das zugehörige Museum gegangen. Angebrachtes Preis-Leistungs-Verhältnis, v. a. da man im Baptisterium noch innen hinaufsteigen konnte. Alle diese Bauten sind so ungefähr vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Ich finde es unglaublich, was die Menschen damals bereits - mit ihren Wegen und Mitteln - erstellen konnten! Na gut, im Falle des Turms ist es ... schief gegangen hahaha... Alles, was auf dem Platz der Wunder steht, krängt ein bisschen oder steht deutlich ... schepps. Was man im Falle (na, noch nicht!) des Turms nicht alles unternommen hat, um die Neigung um ein paar Grad zu verringern!

Zur Zeit nehme ich mir viel Zeit, um mir ein wenig Wissen anzulesen, über die Orte, an denen ich bin. Überhaupt habe ich das Gefühl, als gebe ich, im Vergleich zum Anfang meiner Reise, deutlich mehr Geld für Eintrittsgelder aus und weniger für Essen. Ich werte diese Entwicklung positiv.

Fast die Hälfte der knapp 90.000 Einwohner Pisas sind Studenten, das merkt man auch am Stadtbild. Manchmal habe ich Lust, selbst noch einmal zu studieren. Meinen Kopf mit dargebotenem Wissen füllen, wie mit Popcorn (wird mehr und mehr und mehr ... Ich hatte noch andere Analogien im Sinn, z. B. "wie mit Gießzinn" oder "Salzkristallen" oder ... ach egal).

Langsam frage ich mich, ob man eine Überdosis UNESCO-Weltkulturerbebauten bekommen kann. Wenn ja, bin ich vermutlich kurz davor.

 

Nun sitze ich in einer kleinen Pizzeria in der Südstadt, trinke "Chinò", einfach weil ich nicht wusste, was es ist, als ich es auf der Karte las (es ist eine seltsam schmeckende Orangen-Cola - "gusto inimitabile" steht drauf und stimmt), während auf einem Fernseher in der Ecke "Kommissar Rex" auf Italienisch läuft. Die Sendung habe ich damals geliebt! Und jetzt ist sie ... herrlich alt in ihrer gesamten Machart. Aber im Original deutlich besser (verständlich). Mein Italienisch hat zwar während Assisi dank Daniele und Francesco Giuseppe einen Satz nach vorne gemacht (Satz! Hahaha! Get it??), aber ist immer noch mangelhaft. Nicht ausreichend für Fernsehsendungen.

Nachtrag: Nach Pisa bin ich noch ein Stückchen gefahren, ihr wisst, wohin. Und nun ratet mal, was ich morgen als erstes machen werde. Richtig - Haarewaschen... ;-)


17.10.16: der Schluss von Florenz und der Anfang von Pisa

Ich wollte bleiben, also blieb ich. Nämlich noch ein Weilchen in Florenz, weil gestern die Kuppel der Kathedrale gesperrt war und ich sie gerne noch besichtigen wollte. Habe ich allerdings im Endeffekt dann doch nicht.
Nach der Übernachtung im "7 Santi"-Hostel (12,40 €, da kann ich doch nicht Nein sagen! Nicht, weil das günstig ist, sondern weil meine Glückszahl 24 drin vorkommt.) und einem ziemlich genialen Frühstücksbuffet (mit Sojamilch und veganen Bio-Croissants!!) zog ich los und kaufte mir für 15 € eine All-in-one-Karte, mit der ich auf den Campanile und die Kuppel sowie in das Dom-Museum und das Baptisterium durfte. Eine andere Karte gibt es auch gar nicht.

(Bisschen einseitig, hier schon wieder ein Bild der Kuppel zu bringen, aber sie ist doch so schön!)

Ich besichtigte alles, kletterte 414 Stufen auf den Glockenturm, bestaunte Steine aus dem 13. bis 16. Jahrhundert und verrenkte mir den Hals für die Baptisteriumsdecke - nur die Kuppel, die sah ich weiterhin nur von außen. Die Warteschlange für den Aufstieg führte nämlich einmal um die Kathedrale herum auf die andere Seite bis zur "Ab hier 2 Stunden Warten"-Marke. Das war mir zuviel. Da der Campanile nur unwesentlich kleiner ist, gab ich mich mit dem Ausblick von dort (von dem aus man zudem die Kuppel sieht) zufrieden und machte mich auf den Weg nach Pisa.
In Schlangenlinien fuhr ich am Arno entlang, einem teilweise über die Ufer getretenen Strom trägen Ockers, der in den Apenninen entspringt und quer durch die Toskana (und dabei auch durch Florenz und Pisa) fließt. Der achtlängste Fluss Italiens, falls es jemand wissen will.


Im Moment sitze ich in einer Lavanderia (Waschsalon) am Rande von Pisa, die Wäsche ist schneller fertig, als ich tippen kann und bald werde ich die Segel streichen. Morgen geht es dann auf in Pisas Altstadt, auch wenn ich in meinem Hinterkopf bloß Möwenrufe und Brandungsrauschen höre... Bald, bald...

(Entschuldigt die Verspätung des Textes! Ich konnte gestern kein Internet finden. Muss ziemlich tief in der Tasche gelegen haben...)


16.10.16: Florenz (Firenze)

 

Egal ob es an den warmen Temperaturen, dem Sonnenschein oder der wiedererweckten Reiselust liegt - Florenz gefällt mir jedenfalls ausnehmend gut!

Dank des Wikipedia-Artikels bin ich nun vollumfänglich informiert über die Spuren der Renaissance, die sich überall in der Stadt finden, die Familie der Medici, die maßgeblich für den Einfluss Florenz' verantwortlich war, und die verschiedenen Berühmtheiten, die sich dort in Gebäuden, Gemälden u.ä. verewigt haben (Michelangelo, da Vinci, Galileo Galilei...). Die Kathedrale Santa Maria del Fiore hat es mir auf den ersten Blick angetan! Was für ein Prachtbau! Eine der schönsten Kirchen, die ich bislang gesehen habe (und ich habe schon viele Kirchen gesehen!). Allerdings eher von außen, denn der Innenraum ist im Vergleich zur Fassade enttäuschend. Also lieber vom Platz aus betrachten und die Kuppel bestaunen - sie gilt noch heute als Meisterwerk der Statik und ihr Erbauer Brunelleschi erfand extra für den Bau verschiedenste Gerätschaften und ein besonderes Gerüst, das nicht auf dem Boden aufsetzte, sondern in der Kuppel verankert wurde (weil die nämlich zu hoch war für alles andere).

In Gedenken an Assisi und Franziskus wäre ich gerne noch in die Kirche Santa Croce gegangen und sogar bereit gewesen, die 8 € Eintrittsgeld zu blechen. Aber der Kirchenkomplex hatte nur noch eine knappe Stunde offen und die Warteschlange vor dem Ticketschalter schien endlos. Glücklicherweise gab es einen Extraeingang zum Gebet, so sah ich die Gräber von Michelangelo, Galileo Galilei und den anderen zumindest von Weitem. Die Kirche selbst ist auch sehr schön, wenn auch viel zu groß für einen Bettelorden... Und gebetet habe ich auch, auch wenn der Typ am Einlass davon nicht überzeugt schien.


15.10.16: Auf dem Weg nach Florenz

Wenn ich früher von Assisi aufgebrochen wäre, hätte ich es sicher noch bis Florenz geschafft - wollte ich aber nicht. Der Morgen war so schön und ich schlenderte noch ein wenig mit Pfarrer Steffl durch die Stadt, außerdem war mein Kopf noch voll Abschied.
Irgendwann brach ich dann aber doch auf und Bibs sprang so prompt und freudig an, als hätte sie schon sehnsüchtig gewartet. In Perugia habe ich aufgrund des Verkehrschaos fast eine Stunde mit dem Kampf gegen Einbahnstraßen und verstopfte Zufahrten verbracht und ein wenig entnervt auf eine Besichtigung der Stadt verzichtet. Auch Arezzo habe ich mehr oder weniger links liegen lassen. Dafür nahm eine kleine Katze einige Zeit in Anspruch: Ich machte einen Fotostop, da kam sie an, entweder verirrt oder ausgesetzt, jedenfalls dünn und hungrig. Ich (so ganz ohne Schinken oder sonstige Katzennahrung) habe sie erst an mich, dann an die Ape gewöhnt und bin schließlich mit ihr auf dem Schoß ins nächste Dorf gefahren. Dort wollte ich sie eigentlich entweder in einem Haus oder bei der Polizia abgeben, aber sie machte sich aus dem Staub, als würde sie sich auskennen. Ich hoffe, sie findet ein schönes Plätzchen - so wie ich, die ich gerade irgendwo in den Hügeln unter einer Eiche stehe und den Sternenhimmel betrachte. Schade eigentlich. So eine Reisekatze mit mir in der Ape hätte mir gut gefallen...


09. - 14.10.16: viel Assisi, ein bisschen Siena und sehr viel Musik

Wenn ich die Woche, die ich mit der Meckenheimer Pfarrjugend in Assisi verbracht habe, zusammenfassen will, fällt mir nichts Passendes ein. So viele Eindrücke, so viele Gedanken! So wunderbare Tage!
Wir haben uns viel Zeit genommen, uns mit den verschiedenen Kirchen in Assisi und Umgebung zu beschäftigen und zu ergründen, wie sie mit dem Leben des Heiligen Franziskus und der Heiligen Klara in Verbindung stehen. Viele Orte atmen den Geist von damals und vermitteln das Leben im 13. Jahrhundert. Dank des uns begleitenden Pfarrers, der für die Jugendarbeit in Meckenheim verantwortlich ist, erfuhren wir viel über Franziskus, seine Weggefährten, seine Überzeugungen... Der Gedanke an eine einzelne Person, die so viel bewegt hat (nicht nur in ihrer Zeit), beeindruckt mich, vor allem natürlich, weil Franziskus' Weisungen dem entsprechen, was ich selbst propagiere: Schutz der Natur, das Miteinander des Menschen mit allen anderen Lebewesen, die Rückbesinnung auf das Ursprüngliche und die Abkehr von Raffsucht und Gier. Ein Freund nannte mich einmal "unmaterialistisch", ein Wort, das auf Franziskus mehr als alles andere zutraf. Jedenfalls fühle ich mich mit all seinen Gedanken sehr verbunden.

Einen Tag lang besichtigten wir Siena, eine Studentenstadt, in der nicht nur das Gebäude der ältesten Bank der Welt steht, sondern auch die Heilige Katharina von Siena ihre Werke vollbrachte - wobei ich die "Werke" teilweise etwas kritisch sehe. Katharina von Siena habe ich mir als Namenspatron gewählt, da mein Namenstag dann wie auch mein Geburtstag im April liegt und ich das praktisch fand (weil ich ihn nämlich ständig vergesse). Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sie wirklich so gut zu mir passt. Ihre Art, Machtmissbrauch anzuprangern und Hierarchien in Frage zu stellen, finde ich positiv, ihre eingebildeten Stigmata und die "Askese" (Nahrung nur bestehend aus der Eucharistie) weniger... Zur Wahl stünde für mich außer ihr noch Katharina von Alexandria. Muss ich mich mal schlau machen, ob ich nicht doch umschwenke...

Die Tage in Assisi waren erfüllt von Lachen, gemeinsamem Wandern und Beten und viiieel Musik! Da hat sich auch endlich gelohnt, dass ich meine Ukulele mitgenommen habe :-). Das alles und die Beschäftigung mit dem Heiligen Franziskus haben mir unendlich gut getan - vielleicht weil sie mir das Gefühl vermittelten, weder mit meiner Art, noch mit meinen Überzeugungen allein zu sein. Ich habe so sehr genossen, noch einmal richtig viel Zeit mit meinen Freunden von JAKK verbracht zu haben, den besten, die ich habe. Einige der Sachen, die ich bei meiner Abschiedsparty weggegeben habe (Klamotten, Schmuck, Accessoirs etc.), habe ich an meinen Freunden während der Tage wiederentdeckt, was mich ungemein gefreut hat! Es ist wie ein greifbares Zeichen dafür, dass man Spuren hinterlässt, wo man geht.

 

I won't stop smiling,

'cause someone's admiring

the way I save the world.


08.10.16: Ankunft in Assisi

 
Kleine Auffrischung der Ereignisse: Die Nächte werden kälter, in Assisi geht gerade die Welt unter und da durch einen Blitzschlag das WLAN ausgefallen ist, gibt es die Bilder erst ... demnächst. Nachtrag: Nämlich jetzt :-D.
In Assisi treffe ich mich (bzw. habe mich schon getroffen) mit Freunden aus der Meckenheimer Gemeinde. Tägliche Aktualisierungen gibt es daher vorerst nicht. Aber ihr werdet ja lesen, wenn es weitergeht ;-).
Bis dahin - Buona giornata!

07.10.16: Ascoli Piceno bis Rieti

Was für ein Tag! Der Vormittag war auf seine Weise spektakulär und mal wieder geprägt von Bergen, Bergen und noch mehr Bergen, aber das steht alles zurück hinter einem Ereignis, ich komme einfach direkt zum heutigen Highlight: Frank und die Carabinieri.

Es begab sich, dass ich irgendwo in der Gegend von Cittareale einen Feigenbaum am Straßenrand stehen sah. Dazu muss man wissen, dass in meinem Kopf verschiedene Dinge fest mit meiner Vorstellung vom schönen Italien verknüpft sind.
Das sind z. B. felsige Meeresküsten, sonnige Olivenhaine und Feigen frisch vom Baum am Wegrand gepflückt. Würde ich in Italien wohnen, hätte ich einen Feigenbaum... Jedenfalls war da nun dieser Baum und obwohl die Feigenzeit schon längst vorbei ist, hing er voll mit wunderbaren reifen Feigen! Klar, dass ich nicht widerstehen konnte. Ich war gerade dabei, eine mittelgroße Tupperschüssel vollzumachen, als ein Streifenwagen mit zwei Carabinieri aus der Auffahrt neben dem Baum kam. Der eine sprach mich an, ich dachte, weil ich so doof parkte, dass sie nicht rauskamen. Also schnell die Tupperware verstaut, Kasten zu - aber er winkte ab, als ich die Ape wegfahren wollte. Er stieg aus und erklärte, dass die "fici" da dem "padrone" gehören, dass ich die nicht einfach pflücken könne und forderte einen Blick in den Kasten. Da lagen sie, die verräterischen Feigen, noch ganz frisch. (Er wollte sogar noch in meinen Obi-Eimer schauen, da ist aber nur meine Dreckwäsche drin...) Ich erklärte ihm also mit Händ und Füß, dass ich nur die Feigen an der "strada" genommen habe und nicht wusste, dass die zu einem "padrone" gehören und .... Da kam der "padrone" ...... Es war der Weihnachtsmann, ich schwör's euch! Der Weihnachtsmann im Arbeitsoverall! Ich entschuldigte mich tausendfach bei ihm und wollte ihm die Feigen geben, aber er lachte nur. Da lachten auch die Carabinieri, ich verstand überhaupt nichts mehr, erst als der Weihnachtsmann mich zum Essen einlud. Das verstand ich.

Also sind wir alle gemeinsam die Auffahrt hinauf und in die Stube ("Haus" wäre übertrieben), wo ich Kartoffelpfanne, Brot und etwas, das der Weihnachtsmann, der übrigens Frank hieß, "Roast Beef" nannte, vorgesetzt bekam. Frank und die zwei Carabinieri machten offenbar da weiter, wo sie sich vorher unterbrochen hatten, nämlich mit der Verköstigung eines hochprozentigen Gebräus aus einer kleinen Plastikflasche. Keiner von den dreien konnte Englisch, ich fast kein Italienisch, mit dem einen Carabinieri redete ich ein wenig Französisch, aber mein Hirn war von der Sprachüberlastung so baff, dass es nicht so viel zusammenbrachte, wie es vielleicht gekonnt hätte. Und trotzdem haben wir uns ausgetauscht, Witze gemacht, gelacht und gemeinsam angestoßen (Ich mit Wasser. Den Wein habe ich ausgeschlagen und an dem Hochprozentigen hab ich nur kurz genippt und gemeint "forte", "ne *kopfschüttel*, grazie"). Das Essen war übrigens super lecker, was auch immer es war! :-D

Zum Abschied gab Frank mir seine Nummer, falls ich mal wieder reinschneien oder Feigen haben will, sowie ein Foto von ihm und ratet mal, was er darauf anhatte: Ein Weihnachtsmannkostüm!!!

 

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Ich wünsche den Assisi-Reisenden eine kurzweilige und sichere Fahrt! Wir sehn uns morgen, ich freu mich schon! Bin auch extra für euch noch mal in den Fluss gesprungen ;-D.

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06.10.16: Wildes Herumgekurve - vertikal wie horizontal

Heute ging es in die Wildnis (Ich dachte mir, was kann schon passieren. Ich hab Wasser und Essen und spätestens Sonntag vermisst man mich in Assisi hoffentlich :-D)!

Von Civitanova fuhr ich landeinwärts - und merkte, dass ich irgendwie zu schnell bin. Bis zu unserem Treffen in Assisi sind es noch zwei Tage, also Zeit für einen kleinen (oder großen) Umweg. Und da ich sowieso ein Freund von Nationalparks bin, ging es bei Belforte del Chienti ab nach Süden und hinein in die Berge des Parco Nazionale dei Monti Sibillini - Berge, dass einem die Ohren knacken! Bibs bestand öfter als mir lieb war auf den ersten Gang, sie hatte es aber auch nicht leicht. Die meisten modernen Autos funktionieren mit gleichbleibendem Fahrverhalten, egal wie viel Sprit sie noch im Tank haben. Für Lebewesen wäre das undenkbar, sie zeigen klare Dehydrierungserscheinungen, lange bevor ihnen tatsächlich die Sinne schwinden. Wie eine Blume, die auch nicht in vollem Saft steht und ganz plötzlich vertrocknet. Bibs ist ziemlich lebendig und ließ heute stark die Blätter hängen... Ich war aber auch unerbittlich und ließ zwei völlig überteuerte Tankstellen vorüberziehen (und das in der Wildnis!), im Bewusstsein, dass ich im Fall des Falles noch meine fünf Liter Benzin im Kanister dabei habe. Waren aber nicht nötig.

So ging es mehr oder weniger schnell voran, leider mit beständig regnerischem Wetter. Am Weg lagen immer wieder wunderhübsche mittelalterliche Dörfer mit so vielen schmalen Gassen und Toren, dass man sich vorzüglich darin verirren konnte. Wenn Landschaft und Ortschaften selbst bei Regen schön sind, wie müssen sie erst bei Sonnenschein sein! Und zu einer anderen Jahreszeit, denn hier gibt es ungemein große Felder voller Sonnenblumen, die in ihrer Blüte ein wunderbarer Anblick sein müssen!

Eine Zeit lang fuhr ich direkt durch die Wolken, dichtes Weiß, das einem Kurven bis zum letzten Moment vorenthält und Gegenstände in den Weg spuckt. Dabei ging es so lange und steil bergab, dass ich mir schon Sorgen machte, aus Versehen den Weg in die Unterwelt gefunden zu haben. Schließlich kam ich aber doch in Ascoli Piceno an, östlicher als ursprünglich beabsichtigt, aber wie gesagt, ich hab ja Zeit.

 

Ich würde die kleine Bibella gerne in ein Survival-Mobil umbauen - mit Solarkollektoren und Regenwasserauffangbehältern. Das einzige, was bislang Regenwasser auffängt, ist immer noch mein Kasten vorne rechts. Und während ich die Idee meiner Mutter, die komplette Bibs einfach in eine Plane zu verpacken, sehr verlockend finde, klappt das leider während der Fahrt nicht. Ich überlege, schon wieder in einem Hostel abzusteigen (v.a. da das hiesige anscheinend in einem mittelalterlichen Schloss untergebracht ist!). Leisten kann ich es mir locker. Selbst wenn ich 20 von 30 Tagen eine Bleibe von im Schnitt 25 € nehme, zahle ich noch nicht so viel, wie ich in Meckenheim an Miete gezahlt habe. Niclas, korrigier mich, wenn ich mich verrechnet habe ;-D. Und ich könnte der Nässe entfliehen. Gleichzeitig genieße ich aber die Nächte im Kasten eigentlich. Hmmm...


05.10.16: Fano bis Civitanova Marche

 

Heute Nacht kam Wind auf, die See ist rauh und türkis und ich genoss den Anblick der Wellen bei meinem obligatorischen Frühstücksmüsli am Strand in Fano. Danach ging es weiter die Küste entlang nach Süden, zuerst bis Ancona. Die Fahrt dorthin war eher unsehenswert. Das einzig Außergewöhnliche waren zwei Rennradfahrer, die ich unabhängig voneinander auf der Strecke praktisch aufgelesen und in meinem Windschatten mitgenommen habe. Bedankten sich beide sehr nett, hat mich sehr amüsiert! Wobei gar nicht so außergewöhnlich, ist mir in Deutschland nämlich auch schon einmal passiert.

Die Gegend zwischen Fano und Ancona scheint der Ruhrpott Italiens zu sein (Pardon!), jedenfalls war dort viel Industrie und wenig Schönheit. Die Straße führte schnürdelgerade und emotionslos ans Ziel. Und wenn wir gerade bei Metaphern sind, dann war Ancona wohl das Hamburg der Adria.

Schöne alte Häuser gepaart mit einem riesigen Umschlaghafen prägen das Stadtbild. Hier kommen nicht nur die großen Fähren aus Griechenland und Kroatien an, hier werden auch Kreuzfahrtschiffe gebaut.

Wie ihr seht, nutze ich fast immer die Möglichkeit, irgendwo hinauf zu krakseln (Bibs hat dann Pause). Dort oben stand nämlich der Duomo San Ciriaco, eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert, in der es trotz Besuchern so still war, das selbst der "Silent Modus" meiner Kamera gestört hätte. War jedenfalls sehenswert und hatte eine schöne Atmosphäre samt gruseliger Krypta. Meine weiteren Aktivitäten in der Stadt hielten sich in Grenzen: Ein Spaziergang durch einen hochgelegenen, verwilderten Park, Lebensmittel einkaufen und ein Abstecher zu OBI (gibt's hier auch) für Zweitakteröl. Danach ging es weiter, teilweise wieder durch kleine Dörfchen an der Steilküste und wieder mit wunderbaren Aussichten. Kennt ihr ja schon ;-).

Nun bin ich knapp außerhalb von Civitanova Marche in einem Bed & Breakfast, hauptsächlich wegen der Verlockung einer Dusche. Ich hätte ja wieder ein Hostel genommen, gibt es hier aber nicht. So zahle ich eben 30 € und habe dafür ein eigenes Appartement (!) mit zwei Zimmern (!!) und Doppelbett (!!!). Mit so viel Luxus bin ich völlig überfordert! Frühstück, so habe ich erst später erfahren, ist allerdings nicht dabei. Eher ungewöhnlich für ein Bed & Breakfast, aber wahrscheinlich sind die Eigentümer einfach überrascht und unvorbereitet auf einen so plötzlich und so spät im Jahr auftauchenden Gast. Kann ich ihnen nicht verübeln.

Jedenfalls hatte ich eine schöne warme Dusche, genieße kostenloses WLAN und die Möglichkeit, über Nacht meine diversen Gerätschaften aufzuladen. Morgen geht es dann vorerst weg von der Küste und ins Landesinnere Richtung Assisi! Bin gespannt, wie lange ich dorthin brauche.


Die ersten 1000 Kilometer.


04.10.16: Cattolica, Pesaro und Fano

 

Ich hatte den perfekten Schlafplatz: Ein abgelegener Mopedstellplatz in Riccione, nichts los und zwölf Schritte bis zum Strand! Erste morgendliche Handlung war naheliegenderweise Schwimmen im Meer. Die Sonne war schon über dem Horizont und weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Herrlich! Danach habe ich mal wieder einen entschleunigten Reisetag eingelegt und bin auf einer kleinen Straße die Küste entlang gefahren.

Die krickikracki Linie da im Grünen. Los ging es in Cattolice, wo überraschend viele Ape 50 herumfahren! Dann ab ins Grüne (nicht nur auf der Karte). Es war so bergig wie die Straßenführung vermuten lässt (für Bibs abwechselnd mal Kraftakt, mal Geschwindigkeitsrausch). Durch das Gelände hatte man immer wieder wunderbare Weitblicke zu beiden Seiten: Nach rechts ins Landesinnere mit Wäldern, Bergen, Orten und Feldern und nach links auf Meer, so weit das Auge reicht.

Kurze Pause habe ich in irgendeinem urigen Bergdorf gemacht, dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe und das sich auf der Karte auch nicht finden lässt. Richtiges Bergdorf eben.

 

Heute Nacht war es ziemlich kalt und erst gegen Mittag schien es sich (trotz Sonne satt) so richtig aufzuwärmen. In Pesaro, einer kleineren Küstenstadt, nicht idyllisch, aber durchaus mit netten Ecken, war ich bereit für ein Eis. Für einen Hefegebäckliebhaber wie mich ist Italien das Teigwaren-Eldorado schlechthin. Mit Focaccia haben die lieben Italiener einen Meilenstein gesetzt, aber mit Brioche con Gelato/Focaccia con Gelato haben sie den Vogel abgeschossen! Weiches Hefebrot mit Eisfüllung ... s o   g u t ! ! !

Nach Pesaro ging es noch ein Stück weiter die Küste hinab bis nach Fano, wo ich nochmal ins Meer sprang und mir dann an einem Kiesteil des Strandes (Ich mag keinen Sand im Essen.) auf meinem Gaskocher Gnocchi mit Tomaten und Seitan(=Fleischalternative)stücken machte. Dauerte durch den Wind zwar etwas länger, schmeckte aber dafür nach Freiheit ;-P. Jetzt werde ich den Tag mit einem guten Buch (Partick O'Brian!!!) ausklingen lassen und einfach auf dem Stellplatz bleiben, auf dem ich gerade bin - direkt am Strand, weil ich nämlich nicht genug davon bekommen kann!

 

PS. Falls sich jemand wundert, warum es zu dem ach so schönen San Marino keine Bilder gibt: Das liegt daran, dass mein Computer sie gefressen hat -_-' Ausgerechnet San Marino! Maaan! Naja, vielleicht krieg ich das noch hin...


03.10.16: Borgo Maggiore und San Marino Stadt (Città di San Marino)

 

Ich hatte sehr hohe Erwartungen an "la città" - und sie wurden alle übertroffen! Was für eine Stadt! Was für eine Aussicht!

Nach meiner Nacht im San Marino Hostel (ebenfalls 20 € pro Nacht inkl. Frühstück und ebenso empfehlenswert!) bin ich direkt von dort aus durch Borgo Maggiore nach San Marino Stadt gewandert. Ich weiß nicht, wie viele Höhenmeter das waren. Einige. Vor Ort wanderte ich eine große Runde, die die drei Festungsbauten einschloss, für die San Marino berühmt ist.

Worte können wirklich nur unzulänglich beschreiben, wie wunderschön der Ausblick von der obersten Etage des großen Turms war! Zur einen Seite sanfte Hügel, etwas weiter schon die ersten Berge und in der anderen Richtung das Meer, ein Horizont aus Milchglas, übergangslos in den Himmel fließend.

Fazit: Ich bin begeistert! Und zum Glück war ich früh genug unterwegs und konnte all diese Blicke noch genießen, denn gegen Nachmittag zog sich der Himmel zu und nach einem Wechselspiel aus Regen und Sonne gewann der Regen, der mich zurück nach Borgo Maggiore begleitete. Ich überlegte gerade noch, ob ich nicht nach Acquaviva oder Valdragone (einfach weil der Name so cool ist!!) fahren soll, als mich eine wichtige Erkenntnis davon abhielt:

Während ich weg war, hatten sich in meinem Apekasten gleich zwei Teilüberflutungen ereignet, eine zurückzuführen auf trockenes, die andere auf nasses Wetter. Letztere zuerst: Natürlich, der Regen. Bibs war immer noch nicht ganz dicht, aber zumindest konnte ich heute gleich drei undichte Stellen quasi auf frischer Tat ertappen und abdichten. Vielleicht war es das nun. Die andere Teilüberflutung ist etwas ekliger. Ich hatte eine Packung Margarine bei den Lebensmitteln gelagert, dummerweise auf der Seite liegend, und als die Sonne schien, ist sie geschmolzen... Nicht schön. Vorne rechts nass, hinten rechts fettig. Ich weiß gar nicht, wo ich mein Zeug lagern soll. Und während ich das hier schreibe, muss ich selbst darüber lachen XD.

Meine nächste Fahrt ging also zurück Richtung Küste und zum nächsten Waschsalon (So ein Pulli direkt aus dem Trockner angezogen ist ja sooo gut! ***). Wahrscheinlich dankt es mir Bibs, dass ich sie nicht weiter in den Bergen herumgeheitzt habe, die nächsten kommen sowieso noch. Übrigens war es ein wenig erschreckend, wie schnell wir wieder unten waren, wo wir doch so lange hinauf gebraucht hatten... Aber ich sage euch: 50 km/h bergab auf regennasser Straße mit einer Ape sind der Ritt auf der Kanonenkugel!

Nun sitze ich WLAN-Strahl des McDonald's in Cattolica (Ich war noch nie so oft hintereinander im McDonald's! Und die wollen für einen lausigen Becher Tee 1,50 € ...), denn der Vorsatz, täglich diese Seite zu aktualisieren, siegte gegen "Schlafplatz-im-Hellen-suchen". Hier findet sich aber sicher etwas, es gibt genügend Mopedstellplätze.


02.10.16: Rimini und San Marino oder "Absteige und Aufstiege"

 

Okay. Ich war gestern ziemlich schlecht drauf, so war es und ich werde das nicht umschreiben. Mein Computer ist auch immer noch "tot", da half auch kein Aufschrauben und Nachschauen. Aber sich zu grämen bringt nichts, heute sieht die Welt schon anders aus. Es geht weiter:

Heute Nacht hat es, wie unten schon erwähnt, geregnet und zwar nicht zu knapp, zumindest hörte es sich wild an, während ich im Kasten lag und auf das Rauschen lauschte. Nun würde sich zeigen, ob Bibs auch tatsächlich dicht ist. Es stellte sich heraus: Ist sie nicht. Irgendwo vorne rechts, ich weiß noch nicht genau, wo. Wie meine Mama zu sagen pflegt: Wasser findet seinen Weg. Dann bin ich Wasser. Muss ich mit der Dichtmasse wohl noch mal nacharbeiten. Ich benutze Knetdichtung von Coltogum. Teufelszeug und ungemein vielseitig und nützlich!

Morgens, als ich aufstand, hatte der Regen schon wieder aufgehört - keine natürliche Dusche also. Der Fluss, auf den ich mich am Abend vorher noch gefreut hatte, stellte sich als knöcheltiefes Rinnsal heraus und reichte gerade mal für die obligatorische Katzenwäsche. Ich nahm mir vor, am Strand in Rimini zu duschen.

Rimini stand ursprünglich nicht auf meinem Plan, liegt aber auf dem Weg nach San Marino und ich habe den Auftrag, auszukundschaften, ob immer noch so viele Deutsche dort Urlaub machen. Im Moment jedenfalls nicht. Im Moment scheint hier nämlich praktisch NIEMAND Urlaub zu machen.

Touristenorte außerhalb der Saison haben etwas seltsam Entrücktes an sich. Wie Geisterstädte, in denen nur ein paar Wenige eine schwere Epidemie überlebt haben und nun den Schein alltäglichen Lebens aufrecht erhalten.

 

Die Duschen am dortigen Strand sind übrigens alle in der Hand der Strandbetreiber - die geschlossen hatten. Also keine Dusche für mich. Da mir die Stadt auch ansonsten nicht so wirklich gefallen hat, fuhr ich weiter nach San Marino, mein zweites großes Highlight, auf das ich mich schon lange freue!

Schon auf dem Weg nach Bologna kam mir der Anblick von Hügeln und Bergen nach all dem platten Land wie eine Oase in der Wüste vor. Nun werden sie erklommen. Ich glaube, Bibs freut sich nicht so sehr wie ich... Die alte Kuller hatte ganz schön zu kämpfen und brach sich gefühlt halb die Achse, bis sie die diversen Steigungen erklommen hatte. Und das ist erst der Anfang. Als ich mich einmal daran gewöhnt hatte, dass wir nun eben nur noch zwischen 10 und 15 km/h machen anstatt 20 bis 30 km/h, fand ich das Ganze eigentlich ganz entspannt.

San Marino jedenfalls gefällt mir schon jetzt. Meine Laune wird aber auch dadurch deutlich gesteigert, dass ich mir in Domagnano kurzerhand einen neuen Laptop (bzw. eine Mischung aus Tablet und Laptop) gekauft habe, der Grund, warum es nun wieder schöne Bildchen gibt! Kostete auch nicht einmal die Hälfte meiner Meckenheimer Monatsmiete, die ich einspare, da ich die Wohnung ja gekündigt habe. Manche Dinge müssen einfach sein - z.B. anständiger Kontakt zur Außenwelt. Weshalb ich beschlossen habe, zu versuchen, täglich diese Seite zu aktualisieren, schon allein, weil ich sonst am Schluss (trotz Notizen) noch vergesse, was ich eigentlich schreiben wollte. Feut euch!

 

Nachtrag: Wie ihr seht, sind unten nun auch Bilder eingefügt und außerdem die eine oder andere Ergänzung. Noch mal lesen lohnt sich. ;-D


01.10.16: Bologna

 

Nach der Übernachtung im Hostel (Il Castello, das ich sehr empfehlen kann!) holte ich mir in Bologna einen Stadtplan von der Touristeninformation und bin die wesentlichen Sehenswürdigkeiten abgelaufen. Unter anderem besuchte ich die Basilica San Petronino (obwohl unvollendet die fünftgrößte Kirche der Welt!) und das Händlerviertel, beides sehr schön. Überhaupt hat mir Bologna sehr gefallen und war vom Flair her auch mal anders, als die bisher besuchten Städte, wobei ich das an nichts Explizitem festmachen kann. Positiv war auf jeden Fall, dass die gesamte Innenstadt an Wochenende autofrei ist. Dank meines Bologna-Insiders (Vielen lieben Dank für die schnelle Rückmeldung! :-D) bin ich auf einen der beiden verbliebenen Geschlechtertürme, das Wahrzeichen Bolognas, gestiegen. Der Asinelli-Turm ist zwar nicht zu übersehen, sein Zugang aber durchaus. Irgendetwas an die 500 schmale Holzstufen - na danke! Aber es hat sich gelohnt!

Eigentlich war ich um 14 Uhr bereits fertig mit meiner Erkundungstour, aber um diese Zeit öffnete erst der Computerrepairshop, dem ich meinen Laptop überanworten wollte. Ich gab also dem Besitzer - der natürlich keine Englisch konnte; kann hier überhaupt irgendjemand Englisch?? - zu verstehen, das mein Problem ist, und er gab mir zu verstehen, dass er sich bis Ladenschluss darum kümmern wolle. Derweil lief ich mir die Hacken ab auf der Suche nach einem Bio-Restaurant, das Tortellini anbietet (Bologna ist berühmt für seine Tortellini). Erfolglos. Mussten es also Nicht-Bio-Tortellini sein, denn sein musste es. Aber auch das nahm nicht allzuviel Zeit in Anspruch. Der Computerfritze meinte, er bräuchte noch eine Stunde, was mir Hoffnung machte, denn warum sollte er eine Zeitangabe machen, wenn nicht, weil er das Problem erkannt und mit der Lösung begonnen hatte. Weit gefehlt. Als ich nach besagter Stunde wieder kam - vier Stunden durfte ich insgesamt vertrödeln - sagte er sofort, der Computer sei tot (wörtlich. So viel Italienisch verstehe ich). Warum ihm das nicht schon nach drei Stunden klar geworden war, weiß ich nicht. Im Nachhinein glaube ich, er hat nicht viel mehr versucht als ich, nämlich ausstecken, einstecken, Akku raus, Akku rein und auf der Power-Taste rumdrücken. Zumindest wollte er dafür nichts...

Als ich gehen wollte, war unglaublich viel los in der Stadt, zahllose Straßenkünstler, Musiker und Leute beim Einkaufsbummel. Bei besserer Laune hätte mir das gefallen, aber ich war müde, verschwitzt und frustriert und ich wollte die Stadt gerne im Hellen verlassen, da die Straßenführung, v.a. in Verbindung mit sich dahinwälzenden Menschenmassen eine Katastrophe ist.

Nun bin ich raus aus der Stadt, irgendwo an einem kleinen Fluss (Ich sollte mir meine Schlafplätze wirklich im Hellen suchen, das würde einiges deutlich erleichtern) und noch immer müde, verschwitzt und frustriert, aber der Regen ist zu laut, es ist zu dunkel und ich bin zu einsam, als dass ich gegen irgendeinen der drei Punkte etwas tun könnte.


30.09.16: Ferrara

 
Gestern war ich irgendwie etwas ziellos. Jetzt kommt mal wieder Schwung in die Sache und es wird auf's Gas gedrückt - ich meine am Gas gedreht... Nach einem Bad im Meer fuhr ich heute nach Ferrara, eine Stadt, die ausnahmsweise nicht auf die Römer zurückgeht, sondern im Mittelalter entstand. Die UNESCO hat die gesamte Innenstadt zum Weltkulturerbe erklärt und das, wie ich finde, zurecht. Sehr sehr schön!
Ferrara ist eine Fahrradstadt - überall sind Räder und jeder Einwohner besitzt im Schnitt 2,8 davon - daher lieh auch ich mir ein Fahrrad und erkundete damit die Stadt, erst strategisch, dann planlos. Ich stieß auf einen Fairtrademarkt, viele beeindruckende Bauten und immer wieder auf Teile eines internationalen Festivals (hauptsächlich über internationalen Journalismus), das das gesamte Wochenende geht. Kurz war ich unglaublicherweise bei einem Vortrag über den Jihad in der Sahelzone, konnte mich dann aber erfolgreich mit dem Grund flüchten, dass sie keine Kopfhörer für Englischsprachige mehr hatten. Schwein gehabt! Zum Abschluss radelte ich den größten Teil des durchgehend "beradelbaren" Walls an der 9 km langen Stadtmauer entlang. Ihr bekommt hier richtig viel Bildung. Nett von mir, nicht wahr? Abends fuhr ich noch weiter bis Bologna (mit der Ape, nicht mit dem Rad), das ich mir morgen ansehen will. Übernachten tu ich ausnahmsweise in einem Hostel (20€ inklusive Frühstück, da kann man nichts sagen), hauptsächlich, weil ich eine ordentliche Dusche nehmen wollte. Hier sind es die ganze Zeit fast 30 Grad. Kann mir mal jemand sagen, warum ich nur zwei Hotpants eingepackt habe??
Bilder gibt es übrigens erst wieder, wenn ich meinen Laptop habe reparieren lassen. Scheiß Teil...
Nachtrag: Warum es nun doch Bilder gibt, siehe neuere Einträge...

29.09.16: Mündungsregion des Po

 
Nachdem Bibs also repariert war, fuhr ich am Rest des 28.09.16 westlich um Venedig herum und übernachtete in Santa Margherita. Ich hatte gehofft, es gebe vielleicht eine Autofähre vom Punta Sabbioni, dem Ende der Landzunge, wo mein Campingplatz lag, war aber nicht so, deshalb musste ich nochmal rundherum. Sei's drum.
Am 29.09.16 war ich praktisch den gesamten Tag unterwegs. Erst ging es über eine Straße im Meer nach Sottomarina, von dort eher zufällig rüber nach Chioggia, wo ich kreuz und quer durch die kleinen Tunnel und Gässchen gebraust bin, hauptsächlich aus Spaß an der Sache (und weil ich mich verfahren hatte). Dann ging es weiter südwärts, bis ich bei Ca' Capello Richtung Meer abbog und raus bis Porto Levante fuhr, ein mikriger Hafen mit einer Ansammlung von Häusern, die wahrscheinlich nur deshalb so weit im Voraus angeschrieben war, weil es sonst im gesamten Umfeld nichts anderes gibt. Da ich gerne den Nationalpark an der Po-Mündung (klingt doof - besser auf Italienisch: Parco Regionale Veneto del Delta del Po) sehen wollte, bin ich weiter an der Küste entlang und auf kleinen Wegen quer durch den Park gefahren. Die Landschaft dort besteht aus viel Wasser, durchzogen von schmalen Landstreifen. Hübsch anzusehen, fällt bei mir aber in die Kategorie "Hab ich jetzt gesehen, brauch ich nicht nochmal". Auch der Po selbst, als ich ihn nach meiner Parkrunde überquerte, beeindruckte mich nicht so sehr wie erwartet. Etwa so breit wie der Rhein, wenn nicht schmäler.

Ein ganz großer Herzklopfmoment war allerdings, als ich in einem der Seebecken wilde Flamingos entdeckte. Schuld an den Herzrhythmusstörungen waren aber nicht die Vögel, sondern Bibs, die, als ich gerade das links zu sehende Bild machte, ungeachtet der angezogenen Handbremse beschloss, loszurollen und ich hinterher sprinten durfte. Wie schnell so Beine mit genug Adrenalin plötzlich werden...

Meine Fahrt ging noch weiter, wieder ab zum Meer, über Porto Tolle (Wieso findet der ADAC, das sei sehenswert?) an einem der Po-Mündungsflüsse (weiß ich keinen schönen italienischen Ausdruck für) entlang bis ganz ans Ende der Landzunge. Dort wollte ich eigentlich bleiben, aber irgendwie hat es mir nicht gefallen, also bin ich nach einem Strandspaziergang weitergefahren, auf einer kleinen Uferstraße immer am Meer entlang um die Bucht herum, bis ... naja, bis nirgendwo. Dort habe ich übernachtet, direkt am Meer, mit dem Plätschern der Wellen als Gutenachtlied und einem schönen Sonnenaufgang als Morgengruß.
Übrigens waren auf dem gesamten Weg erstaunlich viele Bisamratten - überfahren am Straßenrand - und teilweise von einer solchen Größe, dass sie bei Bibs wahrscheinlich einen Wildschaden verursacht hätten. Womit ich nicht sagen will, dass Bibs klein ist. ........ Also, Bibs IST klein, aber das waren WIRKLICH GROSSE Bisamratten!

28.09.16: Panne Nr. 1

Es ist soweit: Mein erster Werkstattbesuch ist fällig. Wie aus dem Nichts fing Bibs' Motor an zu stottern (wo sie ansonsten doch so redegewandt ist...), fuhr aber noch. Ich schätzte Zündkerze, Einspritzer oder eine Zuleitung. An den Schläuchen konnte ich nichts finden und an Motorinnereien mache ich mich nicht ran. Aber wozu habe ich denn auch europaweiten Pannenservice? Also rief ich bei der Service-Hotline an, der informierte seinen italienischen Korrespondenten und der wiederum einen Abschleppdienst. Soweit so gut, das lief alles sehr organisiert, quasi deutsch, ab. Jetzt kommt der italienische Part: Es war Mittag, die Werkstatt öffnete erst um 15 Uhr und der Abschlepper würde dementsprechend auch nicht früher als Viertel vor drei kommen. Also tat ich das, was man eben so macht, wen man zwei Stunden auf den Abschleppdienst warten muss: Ich ging zum Strand baden.

 

Lido di Jesolo (wo es mich erwischt hatte) besitzt einen nach Aussage des Abschleppwagenfahrers 16 km langen Sandstrand. Sauber, beinahe menschenleer und so fein und flach, dass es schon fast langweilig ist. Aber nur fast, denn ich liebe das Meer in allen seinen Spielarten! Der Geruch nach Salz und Algen, flinke Krabben, die zwischen Steine huschen, Seegelschiffe... Ich weiß nicht, ob es anerzogen oder vererbt ist oder eine Art Instinkt, aber diese bodenlosen Untiefen und das auf den Wellen glitzernde Licht befriedigen eine meiner ureigensten Sehnsüchte. Wie gern würde ich am Meer wohnen!

Jedenfalls war die Wartezeit so beinahe zu kurz und es ging zur nächsten Apewerkstatt - in der reichlich Fahrräder und ein paar Vespa-Roller herumstanden, aber keine einzige Ape. Machte aber nichts, der Fehler war schnell gefunden: Die Zündkerze war's. Also fix eine neue eingebaut und für 10 € war die Sache erledigt. Herrlich unkompliziert! Leider konnte der Werkstattfritze kein Englisch und mir somit auch nicht erklären, was das doch eher kurze Leben meiner Zündkerze verursacht hatte. Per E-Mail-Korrespondenz mit Signore Ricci (der Händler, von dem ich Bibs habe - siehe Vorbereitungen/Gefährt) kam heraus, dass es wohl einfach Pech war (Vielen Dank für die schnelle Hilfe!). Solange ich nicht schuld bin, ist mir alles recht. Was ich aber übrigens selbst mit meinem Brachial-Italienisch sehr klar verstanden habe, war, dass der gute Mann von der Werkstatt darüber schimpfte, dass ich noch mit Originalzylinder herumfahre, das mache in Italien niemand, dass ich noch keinen größeren habe einbauen lassen, 50 cm³ das geht doch nicht, da brauche ich ja ewig von A nach B ... Ich erklärte ihm was von "garanzia" und verschwieg, dass ich meine Bibs so mag, wie sie ist, und welche Strecke noch vor mir liegt...


27.09.16: Venedig

So früh in meiner Reise und schon ein Highlight: Venedig, dieser steingewordene Traum eines Schiffers. Ich habe mir eine Tageskarte der örtlichen Fährgesellschaft besorgt und bin vom Punta Sabbione direkt zur Piazza San Marco übergesetzt. Bibs hatte einen Tag Pause. Auch in Venedig war es einfach, im Touri-Strom mitschwimmend (im übertragenen Sinne) die großen Sehenswürdigkeiten abzuklappern, bedurfte aber ziemlicher Ausdauer, weil die ganze Stadt voll zu sein scheint mit Anziehungs-, Aussichts- und touristischen Schwerpunkten. Stundenlang bin ich durch die Gassen gestreift, die ein wahres Labyrinth bilden, und habe es zwischendurch tatsächlich geschafft, eine Bäckerei für Einheimische zu finden, und leckeres Oliven-Foccacia gekauft. Die sonstigen Läden boten fast ausschließlich Glaskunst, Masken und teure Modeartikel. Als die Füße schwer wurden (nach ca. 5 Stunden) bin ich auf Wassertaxis umgestiegen und habe so noch die entfernteren Orte erkundet. Ein paar Kirchen habe ich besichtigt, aber nicht viele, denn sowohl die Eintrittspreise, als auch die Warteschlangen waren großteils horrende. Wie muss es hier erst zur Hochsaison zugehen??? Nicht vorstellbar. (Habe gerade gerlesen, dass Venedig tatsächlich ein ziemliches Problem mit Touristen hat - schaut euch mal den Wikipediaartikel an, sehr interessant.)

Auf dem Rückweg machte ich noch einen Abstecher zum Lido di Venezia, einfach, weil ich es konnte, mit meiner Tageskarte.

Fazit: Ich bin nicht Gondel gefahren (teeeeuer!), war nicht in der Basilica di San Marco (Warteschlange bis runter zum Fähranlieger!!) und habe nichts von diesem Mürbgebäck probiert, das es in allen Pasticcerie gab (obwohl's mich schon verlockt hat...). Und trotzdem hat mir Venedig außerordentlich gut gefallen! Klar, die Stadt ist ziemlich ... sagen wir ruinös (klingt netter als "heruntergekommen"), was aber zweifelsohne zu ihrem Charme beiträgt und vielleicht auch einfach dem Umstand geschuldet ist, dass die Venezianer ihre gesamte Energie darauf verwenden müssen, nicht unterzugehen.


26.09.16: Kurz vor Venedig

Rückblick auf den 25.09.16: Ich war zum Mittagessen in Vicenza :D. Wunderschöne Stadt, viele Gassen, wie ich es mag, und nicht zu viele Touristen. Außerdem war gerade eine Art Volksfest in der Stadt und dadurch viel Leben auf den Straßen. Später am Tag ging es weiter über viele kleine Dörfer (eines mit einem weiteren Fest) nach Padova. Mir persönlich zu "großstädtig", aber dafür mit meinem dritten Volksfest an dem Tag. Es gab Tango Argentino, geröstete Maronen und viele Aktionen für Kinder. Übernachten wollte ich in Padova nicht, daher fuhr ich, als es dunkel wurde, aus der Stadt hinaus Richtung Stra (einfach, weil mir der Name gefiel). Ich war furchtbar wählerisch, was meinen Schlafplatz anging und suchte über eine halbe Stunde lang. Schlussendlich stand ich dann auf einem Parkplatz neben einer Kirche. Gute Wahl! Außer vielleicht, dass um Punkt acht Uhr - ich war gerade beim Zähneputzen - auf einen Schlag zich Eltern dort parkten, um ihre Kinder in die Kita zu bringen. Aber wie das so ist, mit Menschen im Alltagstrott, bemerken sie normalerweise kaum, was um sie herum geschieht. Mich ebensowenig.

Durch noch mehr kleine Dörfer (Frühstück am Kanal in Dolo ***) ging es heute weiter. Einer meiner oberen Chefs empfahl mir, auf dem vorgelagerten Landstreifen vor Venedigs Bucht zu übernachten und da ich wusste, dass dort ein Ganzjahrescampingplatz ist, fuhr ich also auf langen geraden Straßen herum bis Lido di Jesolo und weiter bis ans Ende der Landspitze (dauerte eine Weile). Dort bin ich gerade, auf dem Campingplatz Miramare, der übrigens einen Pool hat, in dem ich vorhin ganz alleine herumpaddelte. Am liebsten hätte ich laut gelacht, aber ich wollte den Bademeister nicht irritieren. Das Campingplatzpersonal hat sich sehr über Bibs amüsiert - aber trotzdem den vollen Preis für ein Auto kassiert...

Auf dem Bild seht ihr Bibs und mein total professionell aufgestelltes Ein-Mann-Zelt. Ja, fragt mich nicht, warum die Reisverschlüsse nicht zu gehn... Und warum ein Hering übrig ist...

 

PS. Okay, Makel behoben. Das ist aber auch echt nicht selbsterklärend. <.<


24./25.09.16: Verona, San Martino Buon Albergo, San Bonifacio

Viele kleine Gässchen, mittelalterliche Monumentalbauten und gefüllte Teigtaschen - Verona ist ganz nach meinem Geschmack. Nachdem ich Bibs erfolgreich (und vor allem wohlbehalten, Gott sei Dank!) vom Autozug gefahren habe, was die anderen Reisenden mit Applaus, Videoaufnahmen und Daumen-hoch begleiteten, ging es hinein in Veronas Altstadt, die relativ überschaubar ist und die ich in ca. drei Stunden zu Fuß abgegrast habe. Zuerst ließ ich mich vom Touristenstrom zu den bekannten Sehenswürdigkeiten treiben, z. B. dem Balkon von Romeo und Julia (Romeo & Guiletta), den ich übersehen hätte, wenn er nicht so völlig überfüllt gewesen wäre. Irgendwann wurden mir die 26 Grad zu warm für Wanderschuhe, ich bin zu Sandalen übergegangen und habe die ruhigeren Ecken der Stadt erkundet. Es ist gar nicht so einfach, den Boutiquen und Luxusläden aus dem Weg zu gehen, funktioniert aber, wenn man sich konsequent in immer die entgegengesetzte Richtung wendet, als die, in die die vielen Asiaten gehen. Als Abschluss habe ich noch einen Hügel erklommen, um einen schönen Blick auf die Stadt zu bekommen. Gerade, als ich den Abstieg antreten wollte, begannen die Kirchenglocken Veronas ihr Abendgeläut.

Kurz hatte ich überlegt, zwei Tage in Verona zu bleiben, aber mir war dann doch zu viel los dort, also bin ich weitergefahren. Knapp außerhalb von San Martino Buon Albergo bin ich in einen eiskalten Fluss mit wilden Forellen gesprungen, habe Staub und Schweiß des Tages ab- und Haare gewaschen. Das Abendrot kam gerade über die Berge und das kalte Wasser weckte eindeutig alle sonst vielleicht müden Lebensgeister, also fuhr ich noch ein Stück weiter. Ich übernachtete im Gedenken an das Musical
Bonifatius, das ich mit meiner Mutter vor einigen Jahren angesehen habe, in San Bonifacio auf dem Parkplatz eines Krankenhauses. Das erschien mir eine sichere Sache mit naheliegenden Sanitäreinrichtungen. Dummerweise war die gesamte Nacht hindurch ziemlicher Trubel dort (hätte ich mir auch denken können), aber ich lag in meinem Kasten mit angelehnter Klappe und amüsierte mich über den Gedanken, dass die alle gar nicht wissen, dass ich da bin. An alle Skeptiker der Pritschenlänge: Ich pass da rein.

Jetzt gerade sitze ich im McDonald's in Monteccio Maggiore, dessen Geräuschkulisse nicht gerade zu meiner Konzentration beiträgt, dessen WLAN aber mein Internetguthaben schont. Mein Plan ist, heute zum Mittagessen in Vicenza zu sein. Mal sehn. Ich habe mir zwar eine Offline-App zur Navigation in Italien und Frankreich besorgt, fahre aber lieber nach Schildern, weil mich dann auch niemand anschnautzt, wenn ich mal wieder einen Abstecher mache...


23.09.16: Tag 0

22:03 Uhr, Schlafenszeit. Ich liege im geschätzte 100 km/h schnellen Bett im Autozug auf dem Weg nach Verona. Ich bin noch nie Nachtzug gefahren und schon gar keinen Autozug. Sehr spannend! Beim Verladen meiner Ape habe ich allerdings Blut und Wasser geschwitzt (Bibs war sehr tapfer!). Nachdem das Autozug-Personal etwas überfragt und ahnungslos war, durfte ich mich in die Schlange der Motorräder einreihen. Ein Wunder, dass meine blaue Ape bei all der Aufmerksamkeit nicht rot wurde. Dann die Einfahrt: Das untere Deck ist 1,60 m hoch - meine Ape 1,58 m!!! Instinktiv hab ich bei jeder Metallstrebe den Kopf eingezogen, aber es ging gut!
Schlafenszeit. Ich hoffe, Bibs kriegt da hinten keine Erkältung und die Oldtimer sind nett zu ihr...