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Geteiltes Glück auf 239 Hektar!

Siehe da: Ich, die ewige Einzelgängerin, habe einen Reisebegleiter! Und siehe nochmal da: Ich war länger als 12 Tage am selben Ort und verspürte nicht das typische Weiterreisefieber - nein, ich kehre sogar zurück!

Es ist so viel in den letzten Tagen passiert, dass ich froh um mein kleines Notizbüchlein bin, in dem ich festhalte, an welchem Datum ich was gemacht habe. Ohne es hätte mein Gedächtnis keine Chance.

Nachdem ich am 26.08.17 Caleb vom Flughafen abgeholt hatte (ja, wir passen sehr gut zu zweit in die Ape!), verbrachten wir viel Zeit mit dem Couchsurfer, bei dem wir für zwei Nächte in Helsinki unterkamen und von dem wir eine äußerst witzige Variante des Spiels "Jenga" lernten. Auf Mustikkamaa, einer Insel im Osten der Stadt, entdeckten wir einen Community-Garten, in dem die "Clowns ohne Grenzen" uns Teller-auf-Stab-drehen beibrachten, Caleb jonglieren lernte und ich einen neuen Rhythmus für meine bestehenden Jonglierkünste. In Kaitalahti Hälvik, ebenfalls im Osten, gingen wir wandern und leerstehende Häuser erkunden. Zwischendurch machten wir immer wieder lange Streifzüge durch Helsinkis Innenstadt (u.a. auf der langen Suche nach einem kostenlosen Parkplatz). So spannend ich es auch fand, durch Finnlands Hauptstadt zu trollen, so unlieb war sie mir doch gleichzeitig - völlig unberechtigt, denn Helsinki ist weder hässlich noch unsympathisch, aber in Gedanken war ich noch in Finnlands endlosen Wäldern unterwegs, sammelte Beeren oder streifte barfuß durchs Haferfeld. Ich wollte zurück zu Krämars Farm.

Und da bin ich nun! :-) Caleb und ich nahmen am 28.08.17 einen Zug von Helsinki nach Tammisaari und trampten von dort zu einer Farm etwa 15 km von Tammisaari entfernt. Geplant war, eine Nacht dort zu bleiben, aber wir hängten noch eine dran, um beim Versorgen der Ziegen und Hühner zu helfen, die Pferde von der Koppel zu holen, Beeren zu pflücken, mit den Hunden zu spielen, auf Bäume zu klettern ... Am 30.08.17 holte die Krankenschwester in Tammisaari endlich die Metallklammern aus meiner Kopfhaut (Sauna, ich komme!) und am selben Tag fuhren wir mit dem Bus nach Svartå. Auf Krämars Farm anzukommen war ein wenig wie nach Hause zurückzukehren. Unglaublich, wie einen ein Ort in Beschlag nehmen kann! Caleb war direkt begeistert vom Sammeln wilder Heidelbeeren und Pfifferlinge, von der echten finnischen Sauna und der Ausstrahlung dieses Ortes und ich bin so froh, das mit ihm teilen zu können. Als begeisterte Hobby-Handwerker haben wir uns direkt in ein Großprojekt gestürzt: Wir bauen einen Tisch aus einem knapp 200 Jahre alten Küchenfußboden (lange, schwere, massive Holzplanken). Die Liste an Dingen, die ich hier lerne und die ich für mein Leben nicht mehr missen will, wird länger und länger und umfasst neuerdings den Umgang mit allen möglichen Werkzeugen, die ich noch nie in der Hand hatte. Zum Beispiel habe ich Schweißen gelernt! So cool!!! Und so nützlich!!! Sollte der armen Bibs, die fröstelnd auf einem kostenlosen Parkplatz in Helsinki steht, etwas zustoßen, könnte ich theoretisch selbst Hand anlegen. Liebe Familie, vergesst den Ape-Kasten zu Weihnachten. Ich glaub, ich will ein Schweißgerät.


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