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Ende mit Aussichten

Vielen herzlichen Dank für all die Genesungswünsche! Erstaunlicherweise ging es mir bereits am Folgetag fast schon wieder einwandfrei. Ein Hoch auf einen widerstandsfähigen Körper und einen Dickschädel!


Ich weiß, der Titel klingt, als würde meine Reise zuende gehen. Quatsch! Lange nicht! Aber meine zwei Wochen auf Krämars Bio-Farm sind vorüber und es fühlt sich an wie ein Ende in der Mitte.

Manchmal fürchte ich, den Leuten in meiner Umgebung auf die Nerven zu gehen, weil ich ständig so unbändig gut gelaunt bin. Aber ich kann nicht anders - ich liebe mein Leben und bin einfach nur glücklich und dankbar. Und doch, jetzt gerade, da ich diesen Text schreibe, bin ich traurig und vielleicht auch ein bisschen einsam.

Die letzten zwei Wochen waren so reich an schönen Momenten, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Vom Schwimmen im Abendnebel, über den funkelnden Sternenhimmel, bis zum Verkaufen von Sonnenblumen auf dem REKO-Markt. Letzteres ist ein Markt für lokale Produkte, der über Facebook funktioniert: Die Mitglieder in der REKO-Gruppe können Angebote einstellen (z.B. selbstangebautes Gemüse, selbstgebackenes Brot, selbstgefangener Fisch etc.) und andere Mitglieder können Bestellungen aufgeben. Der eigentliche Markt dauert dann nur eine halbe Stunde, wenn sich alle an einem bestimmten Ort treffen und die Besteller ihre Waren abholen. Oft haben die Verkäufer mehr dabei, als bestellt wurde, so dass man auch ohne bestellt zu haben noch ein wenig stöbern kann. Auf diese Weise  haben die Anbieter feste Abnehmer, können deutlich besser kalkulieren, regionale Produkte kommen unter die Leute und man erspart sich stundenlanges Rumstehen an einem Marktstand. Eine geniale Sache also! Nina und ich haben mit den Sonnenblumen von ihrem Grundstück auf nur einem REKO-Markt 50 € verdient und dabei noch etliche nette Leute kennengelernt!

Nun bin ich nördlich von Helsinki, habe mich auf der erfolglosen Suche nach Bremsflüssigkeit direkt in einem viel zu großen Einkaufszentrum verlaufen, bin von dem Überangebot an Waren erschlagen, sehne mich nach dem weiten Blick über die Felder, der nach Gras und Hafer riechenden frischen Luft, nach den vereinzelten Rufen von Jussi dem Hahn, nach Gummistiefeln an den Füßen und Farbe an den Händen... Zum Glück war es kein Abschied auf Dauer, denn in ein paar Tagen fahre ich zurück zum Krankenhaus in Tammisaari, wo ich mir die Tackernadeln aus der Kopfhaut holen lasse und von dort aus noch einmal für ein paar Tage zur Farm fahre. Denn ab morgen habe ich einen Besucher, dem ich die Wunder von Svartås Landschaft im Allgemeinen und Krämars Farm im Speziellen zeigen will: Caleb kommt! Wir haben uns über Couchsurfing kennengelernt, als ich im März, während meines Monats in den USA, in Norristown bei ihm unterkam. Wir hielten den Kontakt und verstehen uns so gut, dass er beschloss, mich auf meiner Reise durch Europa zu besuchen. Morgen früh kommt er am Flughafen in Helsinki an - im Norden der Stadt, weshalb ich mich schon mal in der Gegend herumtreibe. Somit habe ich gleich mehrere Aussichten: ein Reisegefährte für die nächsten zwei Wochen, ein Wiedersehen mit Nina und ihrer Familie und ganz allgemein darauf, wie ich mir meine ferne Zukunft vorstelle - mit Grasgeruch in der frischen Luft, Gummistiefeln - oder Sandalen - an den Füßen, Farbe an den Händen und ab und an einem Hahnenruf. Ich freu mich drauf.


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Kommentare: 3
  • #1

    Martin (Montag, 28 August 2017 22:36)

    Bin ich der einzige hier, der immer noch auf die wahre Geschichte der Tackernadeln wartet? ;-)

    Lass es dir gut gehen, ich vermisse deine strahlende gute Laune und dein Lachen hier ein bisschen....

  • #2

    Mike (Kiel) (Mittwoch, 30 August 2017 14:01)

    Moin Katja,
    endlich war ich ´mal wieder auf Deiner website und konnte die schönen Berichte lesen. Herrlich. Beneidenswert. Ich hätte niemals den Mut dazu gehabt, so etwas zu tun. Genieße es. Du wirst Dein ganzes Leben lang daran zurückdenken, egal, was Du ´mal machen wirst.
    Tja und die Kopfverletzung, ich denke, Du hast mit einem Bären gerungen, der Dir Dein Mittagessen, einen dicken Fisch, streitig machen wollte. Letzlich konntes Du ihn, den Bären, in die Flucht schlagen. Das macht der nie wieder. Aber leider ging das nicht ganz ohne kleine Blessuren bei Dir ab...
    Eine tolle Reise wünschen wir Dir weiterhin.
    Du hast bei uns auch einen bleibenden Eindruck hinterlassen und bist - auch wenn Du selten zweimal an einen Ort kommst - immer wieder herzlich willkommen.
    Allerbeste Grüße und Wünsche von Regina und Mike

  • #3

    Uli (Ex-43er) (Mittwoch, 30 August 2017 18:28)

    Puh, da bin ich aber erleichtert, dass es dir wieder besser und glücklich, dass die Reise weiter geht. Nach dem letzten Beitrag war ich bis jetzt offline und etwas besorgt. Schön, dass sich meine Hoffnung und mein Glaube in Deine Robustheit bestätigt hat. Ich drück Dir weiterhin die Daumen.
    Uli